Hotelprojekte | 13.04.2018

Zuhause bei Freunden

Fotostrecke Ein Hotel aus Holz — das Soulmade in Garching bei München hat seit April 2016 geöffnet und setzt auf Naturmaterialien / Foto: Soulmade

Mit Herz und Holz gegen kühle Business-Etikette: Eine lebenswerte Philosophie als Grundlage für ein völlig neues Hotelkonzept hat Architekt Thomas Schlereth mit seinem einzigartigen Projekt Soulmade Hotel & Co-Living in Garching, nördlich von München, geschaffen.

Das Hotel eröffnete im April 2016 und gehört nicht in die Kategorie eines konventionellen Business-Hauses. Das Soulmade ist anders. Richtig anders. Ein Hotel aus Holz gebaut und mit Naturmaterialien eingerichtet als herausragendes Beispiel für moderne und nachhaltige Architektur, fernab von Förmlichkeit und Corporate Standard. Im Soulmade fühlt man sich als Gast besonders willkommen und ein Stück weit wie zuhause. Thomas Schlereth, der selbst aus einer Hoteliersfamilie stammt und in den 1990-er Jahren sein Architekturstudium an der Münchner Universität absolvierte, ist kreativer Inhaber des Hotels Soulmade. Er war es auch, der die Idee dieses außergewöhnlichen Konzeptes entwickelte und die Realisierung sowie Projektleitung übernahm. Seit seinen Studienzeiten ist Holz das bevorzugte Rohmaterial von Schlereth. Zum einen, weil es die einmalige Eigenschaft besitzt, nachzuwachsen. Zum anderen, weil der Geruch, die Struktur und die Energie dieses Rohstoffes einzigartig sind. Seinen Grundgedanken für die bauliche Verwirklichung des Projektes Soulmade benennt er so: „Nachhaltig kann nur leben und sein, wer achtsam ist. Und wenn man achtsam lebt, zieht das ein hohes Maß an Nachhaltigkeit nach sich.“ Für ihn haben Beständigkeit und Aufmerksamkeit Vorrang.

Angenehmes Raumklima

Holz und die Verwendung heimischer Materialien spielten für Thomas Schlereth bei der Gestaltung des Businesshotels 3.0 die Hauptrolle – dazu wird das Soulmade ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen versorgt. Die offene zurückhaltende Architektur mit großen bodentiefen Fensterflächen und Naturböden sorgt in allen Zimmern für angenehme Raumstimmungen, die Verbindung der natürlichen Materialien für unaufdringliche Leichtigkeit. Ergänzt wird dies durch die dezenten Farben, fühlbaren Strukturen, die stilvolle Einrichtung und die neun Zentimeter dicken Wände aus Kreuzlagenholz, die für ein hochangenehmes Raumklima sorgen. Bei den Betten wurde völlig auf Metallzugaben verzichtet. Diese sind komplett aus Eschenholz gefertigt und mit atmungsaktiven Naturmatratzen bestückt. Insgesamt 139 der Wohlfühl- Apartments bietet das Soulmade seinen Gästen an. Das sind jeweils großzügige, helle Räume mit 21 oder 40 Quadratmetern. Keine herkömmlichen Hotelzimmer, sondern mit allem Komfort ausgestattete Apartments. In beiden Versionen, Business- oder Superior-Modell, steht dem Gast eine voll eingerichtete Kitchenette beziehungsweise Küche zur Verfügung. Zu deren Einrichtung zählen Induktionskochfeld mit eigens angefertigter Dunstabzugshaube, Mikrowelle, Wasserkocher sowie Kühlschrank mit Vier-Sterne-Gefrierfach. Sogar frische Direct-Trade-Kaffeebohnen, Handkaffeemühle und eine French Press stehen in jedem Zimmer bereit. Und ein Ambilight-TV, dessen Technologie nachweislich die Augen entspannt. Auch das in-room Tablet und seit neustem ein Handy mit WLAN und kostenfreier Telefonie für unterwegs gehören zur Grundausstattung. Die Zimmertüre lässt sich auf Wunsch auch mit dem Smartphone öffnen. Aufmerksam: Die Nachlichtfunktion wird automatisch betätigt, sobald man mit den Füßen den Boden berührt. Fortschrittliche Technik, moderne Funktionen – die Entspannung kommt dabei nie zu kurz. Der überall gegenwärtige Baustoff Holz verströmt einen angenehmen Duft und strahlt Ruhe aus.

Ankommen, Ausatmen – leicht gemacht

Eine weitere Neuerung im Feld der Hotellerie liegt direkt hinter den großen Fensterflächen im Erdgeschoss: der Living Room, das rund 300 Quadratmeter umfassende Herzstück des Hauses. Alles weit und offen gestaltet, ohne Wände oder optische Raumtrenner. Im Living Room fließen die einzelnen Bereiche Check-In, Bar, Küche, Co-Living, Bibliothek und Cocooning nahtlos ineinander über. Statt der gewohnten Rezeption fällt der Blick als erstes auf eine Zeitinstallation, die den Eingangsbereich zusammen mit einer imposanten Sitzgruppe schmückt und zugleich den Spirit des Hauses benennt: großes Zifferblatt an der Wand, beide Zeiger am Boden stehend und darüber der Schriftzug „timeless ... is only the presence“. In der Wohnlandschaft warten auf den Gast in deckenhohen dunklen Holzregalen eine große Auswahl von Büchern, jede Menge Spiele, gesammelte Objekte aus aller Herren Länder und persönliche Fundstücke von Thomas Schlereth – und wenn man möchte, dazu noch eine gute Tasse Bio-Tee oder directtrade Kaffee. Besonders charmant: die vielen, schon gelesenen Bücher mit Notizen und alten Postkarten als Lesezeichen. Hier gibt es zwischen den Sofas, Sitzecken und Ohrensesseln jede Menge Platz zum Frühstücken, Arbeiten oder Entspannen. Die angenehmen Lichtquellen, der offene Echtholz-Kamin und die liebevoll ausgewählte Einrichtung strahlen eindrucksvolle Ruhe aus. Man kann sich öffnen oder zurückziehen – genau der Wunsch und die Grundphilosophie des Gastgebers. Ganz gleich, wo man sich niederlassen möchte, kommunikatives Miteinander steht überall im Fokus. Sowohl an der „-twisted Bar“, an der der Barkeeper nicht hinter, sondern bei den Gästen neben der Theke steht als auch an der offenen „shared kitchen“ als Genuss-Revier: Am Morgen ist hier das Frühstücksbüfett aufgebaut. Jede Woche zaubert der Cooking Concierge abends mit frischen Lebensmitteln aus der Region kulinarische Highlights. Alle, die am liebsten selbst die Kochschürze anziehen, sind jederzeit willkommen und mischen unkompliziert mit.

Das Gras wachsen hören

Echte Highlights sind die Arbeitsnischen, die mit Sitzinseln, Flatscreens und den nötigen technischen Anschlüssen zum Co-Worken einladen. Ebenso EMMA, der kleine Store, der neben einem 3D-Drucker und einem Minifotostudio für Entrepreneurs, von der Bambus-Zahnbürste über Getränke bis zu Leckereien von umgebungsnahen Manufakturen und Produzenten alles anbietet. Wer sich aus den gemütlichen Ohrensesseln im Living Room lösen kann, darf sich für sein Wohlbefinden jederzeit sportlich austoben: Im einen Stockwerk tiefer gelegenen PaviGYM kommen all diejenigen voll auf ihre Kosten, die auf nachhaltiges Training und Functional Fitness mit Spaßfaktor stehen. Direkt vom Living-Room und den ebenerdig gelegenen Apartments gelangt der Gast in den ungewöhnlichen hauseigenen Barefoot-Pocket- Park. Hier kann man das Gras wachsen hören: ein Ankerplatz für die gestresste Business-Seele mit Baum- und Strauch-Inseln, die sich auch bei der sanftesten Brise im Wind wiegen. Durchzogen wird diese grüne Oase von Fußwegen, die aus runden Isar-Kieseln in unterschiedlicher Größe angelegt wurden. Ein Naturplatz, fern von jeder Hektik und Unruhe, der sich perfekt in das Gesamtkonzept eingliedert.

Mitarbeiter sind Gastgeber

Der Servicegedanke, der im Soulmade umgesetzt wird, passt zur nachhaltigen Bauweise und Ausstattung des Hauses. Unter dem Credo „Ankommen. Ausatmen.“ findet man hier einen Rückzugsort für jede Tagesform: Jeder wie er mag. Eine wirkungsvolle andere Form des Umgangs mit den Gästen: Die Servicemitarbeiter werden als Gastgeber bezeichnet. Dabei überwiegt ein zwangloser Umgang ohne übertriebene Etikette oder förmlich steifer Höflichkeit. Qualität und ungezwungenes Wohlfühlen, das über den klassischen Hotelalltag hinausgeht und ein Stück weit zum Lebensraum wird. Thomas Schlereth und sein Weggefährte und Director of Development des Soulmade, Ole Kloth, sind überzeugt, dass dieser Bereich zukünftig noch stärker nachgefragt wird. „In unseren Augen wird das Wohnen auf Zeit noch viel stärker wachsen. Bei uns im Haus wohnen Gäste über mehrere Wochen und gar Monate.“ Das kommunikative Miteinander, der überall entstehende Kontakt fühlt sich nicht wie klassisches Hotelleben an, sondern eher unkompliziert und ohne vorgegebene Strukturen.“

Kleine Bäume für große Klimagerechtigkeit

„Unser Hotel wächst nach“, erläutert Thomas Schlereth. „Rund 1000 Bäume aus heimischer Forstwirtschaft wurden für den Bau unseres Hauses benötigt. Wir wollten dies klimaneutral ausgleichen und haben von daher bis heute mehr als die doppelte Anzahl an Bäumen in Mexiko neu pflanzen lassen.“ Als Partner für dieses Unterfangen haben sich Thomas Schlereth und Ole Kloth für die Kinder- und Jugendinitiative „Plant for the Planet“ entschieden, die sich für Klimagerechtigkeit im Sinne einer Gesamtreduktion der Emission von Treibhausgasen und einer einheitlichen Verteilung dieser Emissionen auf alle Menschen einsetzt und überall auf der Erde Bäume pflanzt. Das Ziel: 1000 Milliarden Bäume zu pflanzen. Gut 15 Milliarden Bäume wurden bis dato schon umgesetzt. „Durch eine nachhaltige Forstwirtschaft wird das ganze Ökosystem Wald gesichert. Die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder bewahrt die Vielfalt von Holz, weil man nur so viel Holz nutzt, wie im gleichen Zeitraum nachwächst. Daher setzt die Initiative Plant for the Planet sich für die Aufforstung ein – und auch wir möchten Nachhaltigkeit in unseren Möglichkeiten umsetzen“, berichtet Thomas Schlereth. Denn auch wer nur einen oder wenige Bäume pflanzt, trägt zum Klimaschutz bei. Hier war es den Gastgebern wichtig, auch das Team als Träger des gemeinsamen Gedankens und Handels mit einzubeziehen und Nachhaltigkeit erlebbar zu machen. Den Mitarbeitern etwas mitzugeben, was mit Stolz und Freude gezeigt werden kann. So erhielten alle Kollegen die sogenannte Treecard mit je 24 Bäumen. Für jeden virtuellen Baum wird ein realer Baum gepflanzt. Jedem Gast, der direkt bucht, schenkt das Soulmade ebenfalls einen Baum. Ein kleiner Beitrag im beständigen Gesamtkonzept, der zu großen Auswirkungen führt; siehe auch unter www.plant-for-the-planet.org. Thomas Schlereth und Ole Kloth wollen, dass sich ihre Gäste richtig zuhause fühlen. Das Resultat dieser gelebt nachhaltigen, achtsamen Ausrichtung sieht man im Soulmade besonders in den Kleinigkeiten. Und doch plant man auch noch größer: Denn es wäre viel zu schade, dieses Konzept nur an einem Ort der Welt Wirklichkeit werden zu lassen, wie auch von Anfang an unzählige Gästebewertungen bestätigen. Deshalb denken die beiden gerade über eine Vervielfältigung nach. „Kopenhagen“, meint Schlereth. „Das wäre ein guter Standort.“ Aber das gehen die beiden wieder ganz gelassen an.

www.soulmadehotels.com

Holzbau-Module

Der Wohlfühlwerkstoff Holz – hier heimische Fichte – ist das zentrale Element des Hotels Soulmade. In den in zurückhaltenden Erdtönen gestalteten Zimmern sorgen Fichtenholz an den Wänden, Eichenböden und metallfreie Eschenholzbetten für eine angenehme Atmosphäre. Das dreistöckige Haus wurde nachhaltig, zukunftsweisend und mit einer enorm aufwändigen Produktionstiefe aus vorgefertigten Holzmodulen errichtet – mit Blick auf einen klimafreundlichen Energiehaushalt. Auch die beiden Zimmerkategorien „Business“ und „Superior“ ließen die Verantwortlichen aus maßgefertigten Holzmodulen fertigen. Diese Methode bedarf einer aufwändigen, präzisen Vorbereitungsplanung, ist dann aber schnell und effektiv in der Umsetzung. Nach der Modulfertigung inklusive Innenausstattung in einer Groß-Zimmerei wurden diese fix und fertig auf die Baustelle geliefert, dort innerhalb eines Monats aufgebaut, und nach der großen Grundreinigung konnte das Haus wenige Tage danach eröffnet werden.

 

Der Artikel „Zuhause bei Freunden“ unserer Freien Autorin Eva Mittner erschien in Superior Hotel 1-2018. Fotos in der Fotostrecke: Conny Mirbach, Hotel Soulmade, Maximilian Sydow


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