Sanitär & Wellness | 15.10.2019

Burnout - zurück zum Ausgangspunkt

Fotostrecke Tiefenentspannungsliege Alpha Sphere Villa Vitalis Medical Health Resort Guenter Standl Tiefenentspannungsliege Alpha Sphere im Villa Vitalis Medical Health Resort / Foto: Guenter Standl

Wenn die Anforderungen an Körper, Seele und Geist überhandnehmen, genügt ein normaler Erholungsurlaub nicht mehr. Viele scheuen aber den Aufenthalt in Kliniken. Daher bieten zunehmend Hotels und Medical Resorts hauseigene Burnout-Programme in ansprechendem Ambiente an.

Der Zeitfaktor ist für etliche überlastete Berufstätige schon bei der Entscheidung für ein Burnout-Programm eine riesige Hürde, beobachtet immer wieder Karl Anton Frei, Verantwortlicher für die F.X. Mayr Kurberatung im Gesundheitszentrum Rickatschwende in Dornbirn. Denn wie soll man Zeit finden für mehr Gesundheit und Wohlsein, wenn mangelnde Zeit eine Ursache für die Burnout-Empfindungen ist?

Die Angst davor, wichtige Zeit für das eigene Wohlbefinden zu verschwenden, statt sie besser für die berufliche Tätigkeit aufzubringen, scheint alles andere zu dominieren. „Viele Manager, die zu uns kommen, stehen zudem so sehr unter Daueranspannung, dass sie Ruhemomente schon gar nicht mehr ertragen können, nicht mehr in den Ruhemodus zurückfinden und dafür Bewältigungsmechanismen wie die Flasche Wein am Abend entwickeln“, erklärt Karl Anton Frei. Auch Dr. Günther Beck, Leiter des Villa Vitalis Medical Health Resort im oberösterreichen Aspach, stellt fest, wie sehr den Menschen die Fähigkeit zum Ausgleich verloren gegangen ist: „Selbst in der klassischen Freizeit setzen viele auf Selbstoptimierung, zum Beispiel beim Sport mit dem Fokus auf Spitzenleistungen.“ Und Dr. Andreas Färber, Inhaber des Klosterhof, Premium Hotel & Health Resort in Bayerisch Gmain und Arzt im hauseigenen Artemacur Gesundheitszentrum, scheint vor allem das zu meinen, wenn er von der großen Gefahr spricht, dass die angestrebte Achtsamkeit am Ende wieder in die Selbstoptimierung rutscht.

Hotel mit Wohlfühlatmosphäre

Burnout hat sich seit den 1970er-Jahren zu einer veritablen Volkskrankheit entwickelt. In seiner Frühzeit noch als hysterische Übertreibung belächelt, ist das Burnout-Syndrom heute eine ernst zu nehmende psychosomatische Erscheinung. In Deutschland werden Arbeitnehmer immer häufiger wegen Überlastung und Erschöpfung krankgeschrieben. Allerdings fehlt bis heute der Diagnose Burnout eine offizielle ICD-Codierung. „Viele Betroffene fallen deshalb unter den Depressionscode und fühlen sich als depressiv stigmatisiert“, meint Dr. Färber. Dabei steckt hinter einem Burnout ein komplexes Bündel an Symptomen, das ist allseits bekannt. Hotels und Medical Resorts bieten mittlerweile attraktive und effektive Alternativen zum herkömmlichen Klinikaufenthalt. Viele Betriebe sind im Bereich Burnout-Therapie mittlerweile gut aufgestellt und weisen einen hohen professionellen Standard auf. Das belegen auch die permanent steigenden Gästezahlen in diesem Segment, die zur Prävention kommen.

Selbst für schwerere Fälle sind viele Häuser mit eigenen Burnout-Programmen gut vorbereitet, da sie über professionelle, medizinische Abteilungen verfügen. „Betroffene suchen heute häufig eine Alternative zur klassischen Schulmedizin in Kliniken“, erklärt Dr. Färber. „Hotels bilden für Burnout-Gäste ein ganz anderes Setting als Kliniken. Sie riechen anders, sie geben ihnen ein anderes Gefühl, und wir unterstützen dieses Gefühl unter anderem mit unserem Gästemix aus mehrheitlich „normalen“ Hotelgästen im Haus.“ Quasi weg vom klassischen Kururlaub hin zu einem inspirierenden Aufenthalt in Wohlfühlatmosphäre.

Ähnlich sieht man das in der Villa Vitalis, einem Designhotel mit ansprechender Poolterrasse und verlockendem Wellness-Bereich. Zugleich finden sich aber auch detaillierte medizinische Zielsetzungen und Angebote. „Seit einiger Zeit informieren wir viel mehr darüber als über das Hotel, weil Betroffene solche Angebote gezielt suchen“, berichtet Dr. Beck.

Körperarbeit statt Kopfarbeit

Viele Programme zur Burnout-Behandlung und zum Stressmanagement setzen auf eine körperliche Verbesserung mit körperlichen Maßnahmen, die wiederum entlastend und entspannend auf die Psyche wirken. Das Gesundheitszentrum Rickatschwende hat damit über 30 Jahre Erfahrung und setzt vor allem auf F.X. Mayr.

Nach einem Anamnese-Eingangsgespräch folgt ein genau auf die persönlichen Erfordernisse abgestimmtes Programm aus Körperanwendungen, Massagen und Bewegungseinheiten. Das Ernährungsprogramm hat die Entgiftung und Entsäuerung des Körpers zum Ziel. Es gibt 40 Gruppenaktivitäten, an denen die Patienten täglich teilnehmen können. Das Prinzip lautet: Körperarbeit statt Kopfarbeit – Bewegung für Entspannung.

„Wir arbeiten nach dem Prinzip Körperarbeit löst Kopfarbeit ab, denn Bewegung fördert Entspannung“, erläutert Karl Anton Frei. Die Gäste würden von Tag zu Tag ruhiger werden. „Nach mindestens zehn Tagen fühlen sie sich wirklich entspannter und haben gelernt, sich wieder mit ihren Gefühlen zu verbinden“, erklärt er. „Schließlich erlernen sie wieder eine Selbststeuerung ihrer Gesundheit, stellen sich Fragen für eine Work-Life-Balance und ändern im Idealfall ihre Einstellungen zu Stresssituationen.“

Die im Jahr 2012 erbaute Villa Vitalis nutzt ihre Verbindung mit dem Gesundheitszentrum Aspach für effektive Programme zu Stressmanagement, Burnout-Prävention und Burnout-Therapie. Die Behandlungsphilosophie beruht auf den fünf Säulen wie umfassende Nährstofftherapien, Körperentgiftungseinheiten, Regulationstherapien, mentale Trainings- und Fitnessprogramme.

Und der Klosterhof in Bayerisch Gmain: „Wir haben mit unseren Wellness-, Ernährungs-, Sport- und Kulturangeboten auch all diese Komponenten für einen körperlichen und mentalen Ausgleich“, berichtet Dr. Färber. „Aber wir verbinden diese von Anfang an mit Gesprächstherapien im Sinne der von mir entwickelten Konzeptmedizin, die darauf abzielt, den Menschen zu ihren eigenen Konzepten zu verhelfen. Artemacur als die Kunst, sich selbst zu pflegen.“ Zunächst klärt der Arzt den aktuellen gesundheitlichen Status, gefolgt von einem tiefenpsychologischen Gespräch über die Realität in Alltag und Arbeit. Daraus entsteht schließlich in gemeinsamer Arbeit ein Konzept für den Umgang mit verschiedenen Lebenssituationen und deren Entschärfung. Den Abschluss bildet die Formulierung von zwei bis drei Zielen. „Dies ist ganz wichtig, um Verbesserungen messbar zu machen“, betont Dr. Andreas Färber.

Für langfristige Erfolge über den Hotelaufenthalt hinaus sind mindestens zwei Wochen Aufenthalt erforderlich, besser noch drei. Die Gäste verlassen das Haus in der Gewissheit, selbst etwas für die Verbesserung ihrer Situation in die Wege geleitet zu haben.

Burnout ist ein komplexes Phänomen, für das es heute wirkungsvolle Behandlungsmaßnahmen gibt. Dennoch wird das Problem trotz des Work-Life-Anspruches auch in Zukunft bestehen bleiben, denn vieles hängt davon ab, wie gut Menschen zu ihrem inneren Halt finden. Keine leichte Aufgabe in stressbeladenen Zeiten, die uns beruflich und privat fordern.

www.beauty-guide.de

Die genannten Hotels:

www.klosterhof.de

www.rickatschwende.com

www.villa-vitalis.at


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