Booking.com hat die sechste Ausgabe des jährlichen Europäischen Unterkunftsbarometers veröffentlicht. Basierend auf Erkenntnissen von 1.240 Führungskräften und Managern aus 24 europäischen Märkten, zeigt die diesjährige Ausgabe eine Branche, die trotz zahlreicher Herausforderungen in den vergangenen Jahren durch Resilienz und Stabilität geprägt ist. Gleichzeitig verdeutlicht der Bericht auf europäischer Ebene auch zentrale Handlungsfelder.
Deutsche Hoteliers mit zurückhaltender wirtschaftlicher Einschätzung
Nach einem deutlichen Einbruch 2025 zeigt sich eine leichte Erholung: Sowohl bei der Bewertung der vergangenen Entwicklung als auch beim Blick auf die kommenden Monate sind die Zuversichtswerte wieder gestiegen. Dennoch bleibt die Stimmung verhalten – weniger als die Hälfte der deutschen Betriebe blickt optimistisch voraus (45 Prozent, EU: 66 Prozent), und nur 41 Prozent bewerten die vergangene Entwicklung positiv (EU: 60 Prozent). Besonders auffällig: Etwa jeder fünfte deutsche Betrieb rechnet mit einer Verschlechterung in den kommenden sechs Monaten – das ist viermal so viel wie im EU-Durchschnitt. Deutsche Beherbergungsbetriebe melden zudem bei den wichtigsten Leistungskennzahlen die größte Abweichung vom EU-Durchschnitt. Nur jeder Fünfte (20 Prozent) verzeichnete in den letzten sechs Monaten einen Anstieg der Tagessätze (EU: 40 Prozent), und nur 16 Prozent meldeten eine höhere Auslastung (EU: 50 Prozent). Damit verzeichneten sie den schwächsten Zuwachs bei den Belegungsraten aller untersuchten Länder.
Während europaweit die kollektive Wahrnehmung insgesamt Optimismus versprüht, verdeutlichen die Ergebnisse des Barometers auch den wachsenden Druck auf kleine und unabhängige Unterkünfte, mit größeren Betrieben Schritt zu halten. 72 Prozent der europäischen Kettenhotels bewerten die eigene aktuelle wirtschaftliche Lage positiv, im Vergleich zu 55 Prozent der unabhängigen Betriebe in Europa. Ähnliche Muster zeigen sich bei anderen wichtigen Kennzahlen, wie Zimmerpreisen – 47 Prozent der Ketten beobachteten Steigerungen in den sechs Monaten vor der Umfrage gegenüber 37 Prozent der unabhängigen Betriebe – und Entwicklungen bei der Belegungsrate – 56 Prozent der Ketten beobachteten Steigerungen gegenüber 46 Prozent der unabhängigen Betriebe.
Weitere Unterschiede zeigen sich auch bei zentralen Herausforderungen der Branche, insbesondere im Bereich Cybersicherheit und dem Umgang mit saisonalen Schwankungen und der Sorge vor dem Einfluss externer Ereignisse und Störungen.
Cybersicherheit: Schutzlücken vor allem bei kleineren Betrieben
Etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) der deutschen Unterkünfte halten ihre Cybersicherheitsvorkehrungen für ausreichend und liegen damit 11 Prozentpunkte unter dem EU-Durchschnitt (66 Prozent). Grundlegende Maßnahmen, auf die Unterkünfte setzen, sind unter anderem regelmäßige Software-Updates und Sicherheitspatches (91 Prozent, EU: 86 Prozent), Sicherheitslösungen bei Netzwerken (90 Prozent, EU: 85 Prozent) und Systeme für sichere Zahlungsabwicklungen (75 Prozent, EU: 80 Prozent).
Auf europäischer Ebene zeigt sich bei genauerer Betrachtung eine deutliche Lücke zwischen großen und kleinen Betrieben: Während europaweit nahezu alle Unternehmen mit 250 oder mehr Mitarbeitenden (94 Prozent) ihre Vorkehrungen im Bereich Cybersicherheit als ausreichend einschätzen, trifft dies nur auf 60 Prozent der Betriebe mit weniger als zehn Beschäftigten zu. Zwar sind grundlegende Schutzmaßnahmen weit verbreitet, doch setzen kleinere Betreiber seltener weitergehende oder kontinuierliche Maßnahmen um: Weniger als die Hälfte (49 Prozent) bietet Personalschulungen an, im Vergleich zu 89 Prozent der größeren Arbeitgeber. Ähnliche Lücken zeigen sich bei regelmäßigen IT-Sicherheitsprüfungen (60 Prozent gegenüber 89 Prozent) und der Zusammenarbeit mit spezialisierten Drittanbietern (62 Prozent gegenüber 95 Prozent).
Mit Blick auf die Hauptsaison zählen Cybersicherheitsvorfälle für 21 Prozent der europäischen Unternehmen mit weniger als neun Mitarbeitenden zu den größten Sorgen – gegenüber lediglich 9 Prozent der Unternehmen mit 250 oder mehr Mitarbeitenden. Zahlungsbetrug fürchten indes 25 Prozent der kleinen, aber nur 16 Prozent der großen Betriebe.
Nur 5 Prozent der kleineren Unterkünfte geben an, dass sie im vergangenen Jahr von einem Cybersicherheits- oder Datenschutzvorfall betroffen waren, im Vergleich zu 28 Prozent bei den größten Betrieben. Dies spiegelt sowohl ein potenziell höheres Risiko als auch eine bessere Fähigkeit wider, Vorfälle zu erkennen und offiziell zu dokumentieren. Da Cyberangriffstechniken immer raffinierter werden und zunehmend legitime Zugangsdaten sowie Systeme ausgenutzt werden, erfordert die Aufrechterhaltung der eigenen digitalen Resilienz kontinuierliche Investitionen in Systeme und Fachkompetenzen. Das ist insbesondere für kleinere Betriebe wichtig, die ohnehin bereits weniger Ressourcen zur Verfügung haben.
Umgang mit Störungen und saisonalen Schwankungen
Mit Blick auf die Hauptsaison stehen Muster bei der Nachfrage und potenzielle Hürden besonders im Fokus. Externe Störungen verursachen die größten Bedenken – sowohl hinsichtlich ihrer Wahrscheinlichkeit als auch ihrer potenziellen Auswirkungen: 34 Prozent der deutschen Hotelbetreiber (EU: 37 Prozent) sind insbesondere besorgt, dass extreme Wetter- oder Naturereignisse das Reisen beeinträchtigen könnten. Ebenso viele (34 Prozent, EU: 26 Prozent) nennen IT-Ausfälle oder Störungen digitaler Systeme als zentrales Bedenken, während 29 Prozent (EU: 32 Prozent) lokale Störungen wie Streiks im Transportwesen oder Baustellen nennen, die den Zugang für Gäste oder den Betrieb ihrer Unterkünfte beeinträchtigen könnten. Interessanterweise zeigen sich europaweit Kettenhotels in beiden Bereichen geringfügig besorgter als unabhängige Unterkünfte, mit einem Unterschied von sieben beziehungsweise fünf Prozentpunkten.
Trotz dieser Sorgen ist der Ausbau oder die Anpassung der eigenen Anlage um wetterunabhängige Angebote die Strategie, die im Umgang mit Saisonalität sowohl in Deutschland als auch europaweit am wenigsten genutzt wird. Da jedoch gleichzeitig bereits 42 Prozent* der deutschen Reisenden versuchen, wetterbedingte Störungen zu vermeiden, indem sie ihre Reisen außerhalb der traditionellen Urlaubssaison planen, richtet sich die Aufmerksamkeit stärker auf kommerzielle Maßnahmen.
Rabatte stechen dabei als ein häufig eingesetzter und wirksamer Hebel hervor: 53 Prozent (EU: 72 Prozent) der deutschen Unterkünfte geben an, während der Nebensaison Sonderpreise oder Pakete anzubieten – mit positiven Ergebnissen. Viele verfolgen häufig diversifizierte Distributionsstrategien: 3 von 4 (75 Prozent) der deutschen Hoteliers (EU: 81 Prozent) sehen Online-Plattformen als wirksamen Kanal zur Generierung von Nachfrage in der Nebensaison, während organische Reichweite über eigene Social- Media-Kanäle (32 Prozent, EU: 54 Prozent), bezahlte Suchanzeigen (19 Prozent, EU: 50 Prozent), E-Mail-und Newsletter-Kampagnen (16 Prozent, EU: 41 Prozent) und Anzeigen in traditionellen Medien (13 Prozent, EU: 34 Prozent) ebenfalls zu einem breiteren Maßnahmenmix beitragen.
Ein weiterer beliebter Weg, alternative Nachfrage zu erschließen, ist die Ausrichtung auf eventgetriebenen Tourismus: 64 Prozent der deutschen Betriebe (EU: 50 Prozent) geben an, in den vergangenen 12 Monaten von eventbedingtem Reiseaufkommen profitiert zu haben, wobei 21 Prozent (EU: 14 Prozent) den Effekt als erheblich beschreiben. Von denjenigen, die von eventgetriebenen Reisen profitiert haben, berichten 61 Prozent (EU: 66 Prozent) von verbesserten Umsätzen pro Zimmer als einen Vorteil, dicht gefolgt von der Möglichkeit, geringere Einnahmen zu anderen Zeiten des Jahres auszugleichen (57 Prozent, EU: 60 Prozent).
„Das Europäische Unterkunftsbarometer 2026 zeigt eine widerstandsfähige Branche, die sich in Echtzeit an ein sich wandelndes Umfeld anpasst – von zunehmenden Cyberrisiken bis hin zur Bewältigung klimabedingter Störungen und eventgetriebener Nachfrage", sagt Alexandra Wolframm, Head of Public Affairs Central & South-
Eastern Europe. „Die Ergebnisse des Barometers verdeutlichen jedoch auch eine mögliche Fragmentierung, da sich je nach Unterkunftstyp und -größe unterschiedliche Erfahrungen und Herausforderungen abzeichnen. Vor diesem Hintergrund bleibt es unser Ziel, all unseren Unterkunftspartnern die Erkenntnisse, Tools und Partnerschaft zu bieten, die sie benötigen, um das ganze Jahr über erfolgreich zu sein und so das Wachstum der Branche insgesamt zu fördern.“
