Management & Strategien | 24.06.2026

„Servicequalität erhöhen, wirtschaftlich flexibler werden“

Linda Winnie Grumbt Linda Winnie Grumbt / Foto: Wanzl

Mini-Markets in Hotels treffen den Nerv der Zeit. Sie sind bequem, effizient und wirtschaftlich attraktiv. Einen näheren Einblick in das Thema gibt Linda Winnie Grumbt, Key Account Manager bei Wanzl Hotel Service, im Interview.

Welche Rolle spielen Mini-Markets aktuell im Hotelgewerbe aus Ihrer Sicht? Mini-Markets entwickeln sich im Hotelgewerbe zunehmend zu einem festen Bestandteil moderner Servicekonzepte. Sie ermöglichen Hotels, ihren Gästen jederzeit eine unkomplizierte Versorgung mit Snacks, Getränken und weiteren Produkten anzubieten, unabhängig von Restaurant- oder Baröffnungszeiten. Gleichzeitig schaffen sie zusätzliche Umsatzmöglichkeiten, ohne dass dafür zwingend mehr Personal oder klassische F&B-Strukturen erforderlich sind. Genau hier sieht Wanzl seine Rolle: als Partner, der Hotels befähigt, solche Angebote einfach und effizient umzusetzen, von der Planung über die Ausstattung bis hin zum fertigen, funktionierenden System im Betrieb. So werden Mini-Markets für viele Häuser zu einer praktischen Lösung, um Servicequalität zu erhöhen und gleichzeitig wirtschaftlich flexibler zu werden.

Welche Komponenten umfasst eine Mini-Market-Lösung von Wanzl?

Eine Mini-Market-Lösung von Wanzl basiert auf einem modularen Gesamtsystem, das individuell auf die jeweilige Hotelumgebung abgestimmt wird. Dazu gehören unter anderem:

• modulare Shop- und Regalsysteme zur Warenpräsentation

• Kühlmöbel für Getränke, Snacks und Fresh Food

• Checkout-Systeme (Self-Checkout / Self-Service-Kassenlösungen)

• Zutritts- und Zugangssysteme für den Shopbereich

• digitale Preisauszeichnung und Warenmanagement

• flexible Raum- und Einrichtungslösungen für unterschiedliche Flächen

Ergänzend kommen je nach Konzept auch spezifische Wanzl-Systemlösungen zum Einsatz, etwa aus dem Bereich Warenpräsentation und Retail Equipment, die für eine strukturierte und ansprechende Produktdarstellung sorgen. Bereits vor und natürlich auch in der Planungsphase unterstützen wir zudem mit digitalen Tools wie einem Online-Konfigurator, mit dem sich unterschiedliche Mini-Market-Konzepte und Raumlösungen visualisieren und individuell anpassen lassen.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Einführung eines Mini-Markets im Hotel?

Die zentrale Herausforderung liegt in der nahtlosen Integration des Mini-Markets in bestehende Hotelstrukturen, sowohl räumlich als auch operativ. Entscheidend ist, dass das Konzept zum Hotelbetrieb, zur Architektur und vor allem zur Gästestruktur passt. Weitere Erfolgsfaktoren sind die richtige Wahl des Standortes innerhalb des Hotels, eine intuitive Nutzerführung für Gäste, ein passendes Sortiment abgestimmt auf die Zielgruppe sowie ein reibungsloser, möglichst personalunabhängiger Betrieb. Wanzl begleitet Hotels hier ganzheitlich von der Idee bis zur Umsetzung, um genau diese Schnittstellen optimal zu gestalten.

Wie läuft ein typisches Projekt von der Planung bis zur Umsetzung ab? Welche Fehler gilt es zu vermeiden?

Ein typisches Projekt beginnt bei Wanzl mit einer detaillierten Analyse der Ausgangssituation im Hotel: Flächen, Gästegruppen, Abläufe und wirtschaftliche Ziele. Darauf aufbauend wird ein maßgeschneidertes Konzept entwickelt, inklusive Layout. Anschließend geht es in die Detailplanung. Sobald der Plan steht, wird der Mini-Market umgesetzt und installiert. Bei allen Schritten ist Wanzl eng in der Abstimmung mit dem Hotel. Damit das Personal den Mini-Markt und die Technik dahinter versteht und den Gästen behilflich sein kann, gibt es vor der finalen Übergabe eine ausführliche Schulung. Der häufigste und gravierendste Fehler kann sich direkt am Anfang einschleichen. Man darf den Mini-Market nicht als Insellösung betrachten. Erfolgreich sind Konzepte, die als integraler Bestandteil der Hotelstrategie gedacht werden, mit klarer Prozess- und Gästeorientierung.

Welche Technologien kommen in Ihren Mini-Markets zum Einsatz?

In unseren Mini-Markets setzen wir gezielt auf Self-Service-Technologien, die einen einfachen und gleichzeitig effizienten Betrieb ermöglichen. Im Zentrum stehen dabei Self-Checkout-Lösungen, bei denen Gäste ihre Produkte selbst scannen und bezahlen, entweder direkt am Terminal oder über ihr eigenes mobiles Endgerät. Ergänzt wird dieses Konzept durch automatisierte Eingangssysteme. Gäste erhalten Zugang zum Mini-Market beispielsweise über ihre Zimmerkarte oder eine Smartphone-Anwendung und können sich anschließend eigenständig bedienen. So entsteht ein durchgehend nutzbares Angebot, entweder als komplett personalfreier Betrieb oder als Hybridlösung mit erweiterten Öffnungszeiten. Technologie und Raumkonzept greifen dabei eng ineinander: Von Regalsystemen über Kühlmöbel bis hin zu Zahlungssystemen und Zutrittslösungen wird der gesamte Mini-Market als integriertes System geplant und umgesetzt. Ziel ist immer ein reibungsloser Ablauf für den Gast bei gleichzeitig optimiertem Personaleinsatz im Hotel. Entscheidend ist für uns immer das Zusammenspiel aller Komponenten: Technologie soll den Betrieb vereinfachen und das Gästeerlebnis verbessern.

Nach welcher Zeit amortisiert sich ein Mini-Market in der Regel?

Die Wirtschaftlichkeit eines Mini-Markets hängt maßgeblich von der Auslastung des Hotels, der Lage, dem Sortiment und dem gewählten Betriebskonzept ab. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass sich gut integrierte Systeme bereits nach vergleichsweise kurzer Zeit positiv auf Umsatz und Serviceeffizienz auswirken können. Besonders entscheidend ist dabei nicht nur der direkte Warenumsatz, sondern auch der Mehrwert durch gesteigerte Gästezufriedenheit und zusätzliche Umsatzkanäle außerhalb klassischer F&B-Strukturen.

Gibt es unterschiedliche Geschäftsmodelle (Kauf, Leasing, Revenue Share)? Wanzl setzt im Bereich Mini-Markets auf den direkten Verkauf der Systemlösung an das Hotel. Dadurch liegen sowohl die wirtschaftliche Verantwortung als auch die vollständige Kontrolle über Betrieb, Sortiment und Preisgestaltung beim Betreiber. Die gesamte Wertschöpfung verbleibt damit im Hotel, sodass die erzielten Umsätze direkt genutzt und eigenständig weiterentwickelt werden können. Je nach Standort und Betriebskonzept kann dieses Modell einen Return on Investment von zwölf Monaten erreichen.

Wie wird das Sortiment zusammengestellt? Welche Produkte verkaufen sich besonders gut?

Die Verantwortung für das Sortiment liegt in der Regel beim Hotel selbst – hier bringen Betreiber ihre eigenen Erfahrungen, Einkaufsstrukturen und ihr Wissen über die Gäste ein. Wanzl versteht sich in diesem Zusammenhang als Partner, der den passenden Rahmen schafft: Wir entwickeln Mini-Market-Konzepte so, dass sich unterschiedliche Sortimente optimal präsentieren lassen und für den Gast intuitiv erlebbar sind. Gleichzeitig bringen wir unsere Erfahrung aus zahlreichen Retail-Projekten ein und geben Impulse, wie sich Flächen effizient nutzen und Produkte verkaufsstark inszenieren lassen. In der Praxis richtet sich die Nachfrage stark nach Standort und Gästestruktur:

• In Stadthotels stehen vor allem Snacks, Getränke, Reisebedarf oder Ladezubehör im Fokus

• In Business-Hotels sind schnelle, unkomplizierte Angebote wie To-go-Produkte oder Coffee-to-go gefragt

• In Ferien- oder ländlichen Regionen spielen häufig regionale Produkte, Souvenirs oder Spezialitäten eine größere Rolle

Entscheidend ist dabei immer das Zusammenspiel aus Sortiment und Präsentation: Ein gut abgestimmtes Konzept sorgt dafür, dass sich Produkte schnell erfassen lassen und der Gast sich einfach orientieren kann.

Nutzen Sie Datenanalyse zur Optimierung von Sortiment und Betrieb?

Im Rahmen unserer Systemlösungen setzen wir auf moderne, vernetzte Technologien, die einen effizienten und reibungslosen Betrieb von Mini-Markets unterstützen. Dabei steht jedoch nicht die Datensammlung im Vordergrund, sondern die funktionale Unterstützung des operativen Betriebs im Hotel. Datensicherheit und Datenethik haben für Wanzl höchste Priorität. Unsere Lösungen erfassen keine personenbezogenen Daten, speichern keine Videoaufnahmen und arbeiten ausschließlich mit anonymisierten, technischen Betriebsinformationen, die für den jeweiligen Prozess notwendig sind. Wanzl versteht sich in diesem Zusammenhang klar als Partner für technische Lösungen: Wir stellen die technischen Systeme, Komponenten und Plattformen bereit, die in die Infrastruktur des Hotels eingebunden werden. Die Verantwortung für die Nutzung, Speicherung und Auswertung von Daten liegt dabei vollständig beim jeweiligen Hotelbetreiber beziehungsweise Systemnutzer. Ziel unserer Lösungen ist es, Hotels dabei zu unterstützen, Abläufe effizienter zu gestalten und den Betrieb ihrer Mini-Markets stabil und zuverlässig zu organisieren.

Wie gehen Sie mit Themen wie Diebstahl um?

Ein- und Ausgangszonen sowie Self-Checkout-Bereiche gehören auch im Hotelumfeld zu den sensiblen Bereichen, wenn es um kontrollierte und gleichzeitig komfortable Abläufe geht. Entscheidend ist, dass Sicherheit nicht als Hürde wahrgenommen wird, sondern in den natürlichen Kundenfluss integriert ist.

Aus unserer Retail-Erfahrung im Bereich der Ein- und Ausgangslösungen – insbesondere bei Self-Checkout-Konzepten – wissen wir, dass wirksame Loss Prevention dann entsteht, wenn Prozesse klar geführt und zugleich kundenfreundlich gestaltet sind. Genau diesen Ansatz übertragen wir auf Mini-Markets im Hotel. Dabei kommen modulare Lösungen zum Einsatz, die je nach Anforderung kombiniert werden können: Die SlidingDoor ermöglicht flexible Zutritts- und Ausgangslösungen – auch im Zweirichtungsbetrieb – und eignet sich besonders für Self-Checkout-Zonen durch ihr offenes, platzsparendes Design. Das GalaxyPort Pro sorgt zusätzlich für sichtbare Führung und Kontrolle durch physische Barrieren, die unaufdringlich, aber wirksam Inventurdifferenzen reduzieren. Mit Smart Exit wird der Ausgang aus Self-Checkout-Bereichen automatisiert gesteuert – eine KI-gestützte Sensorik erkennt den abgeschlossenen Bezahlvorgang und ermöglicht einen reibungslosen Durchgang ohne zusätzliche Schritte. So entsteht ein ganzheitliches System, das Sicherheit, Effizienz und ein komfortables Gästeerlebnis miteinander verbindet.

Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit beim Thema Mini-Markets?

Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil moderner Hotelkonzepte und spielt auch bei Mini-Markets eine wichtige Rolle. Wanzl setzt dabei vor allem auf langlebige, modulare Systemlösungen, die flexibel anpassbar und damit langfristig nutzbar sind. Darüber hinaus tragen Mini-Markets selbst zur Ressourceneffizienz bei, da sie bedarfsgerechte Versorgung ermöglichen und klassische Überangebote in der Gastronomie reduzieren können. Auch die Möglichkeit, regionale Produkte in das Sortiment zu integrieren, unterstützt nachhaltige Wertschöpfungsketten im Hotelumfeld.

Wie wird sich das Konzept in den kommenden Jahren entwickeln?

Mini-Markets werden sich im Hotelbereich zunehmend zu einem festen Bestandteil der „Lobby der Zukunft“ entwickeln. Sie erweitern den klassischen Eingangsbereich funktional und werden damit zu einem wichtigen Umsatzbringer für Hotels, da sie zusätzliche Kaufanlässe direkt im Aufenthaltsbereich schaffen. Gleichzeitig tragen sie zu einer erhöhten Flächenproduktivität bei, da bestehende Flächen im Hotel effizienter genutzt und in ein zeitgemäßes, rund um die Uhr verfügbares Angebot verwandelt werden können. Damit entwickeln sich Mini-Markets zu einer sinnvollen Ergänzung zu klassischen Gastro-Konzepten. Ein klarer Trend ist dabei der teilweise Verzicht auf Minibars im Zimmer sowie klassische Automatenlösungen zugunsten zentraler, attraktiver und flexibler Self-Service-Flächen im Hotel. Diese bieten Gästen eine größere Auswahl, mehr Komfort und eine bessere Übersicht. Wanzl sieht die Zukunft des Konzepts in der Kombination aus modularen Raumlösungen, intelligenter Systemtechnik und individuell auf das jeweilige Hotel zugeschnittenen Konzepten. Ziel ist es, Hotels noch stärker in die Lage zu versetzen, Service unabhängig von klassischen Betriebszeiten und Personalstrukturen anzubieten und gleichzeitig ein modernes, wirtschaftlich tragfähiges Gästeerlebnis zu schaffen. Weiterführende Einblicke und Praxisbeispiele bietet das Wanzl Whitepaper „Die Lobby der Zukunft“.

www.wanzl.com


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