Branchennews | 10.06.2020

Deutsche interessieren sich für Urlaub in der Heimat

Strandkorb Urlaub Strand Meer Die Deutschen interessieren sich vor allem für Urlaub im eigenen Land, das zeigt nun die Studie von Reply / Motivbild: www.pixabay.com

Die neunjährige Erfolgsserie des Tourismus ist durch die Covid-19-Pandemie unerwartet beendet. In den wichtigsten Reisezielen weltweit schreiben Flughäfen, Hotels und andere touristische Betriebe seit Monaten Milliardenverluste. In einigen Ländern, unter anderem in Deutschland, sind neue Potentiale für die Tourismusindustrie erkennbar – vor allem mit Blick auf Urlaub im Heimatland.

Der kontinuierlich aktualisierte Covid-19-Report von Reply untersucht die aktuellen Auswirkungen der Pandemie auf verschiedene Bereiche der Wirtschaft. Dabei werden Daten aus den fünf größten europäischen Volkswirtschaften Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien sowie den USA betrachtet.

Dramatischer Absturz nach starkem Vorjahr

Bis zum Ausbruch der Corona-Krise verzeichnete der internationale Tourismus einen Boom. Nach Angaben der Weltorganisation für Tourismus (UNWTO) war 2019 das neunte Jahr in Folge, in dem die globalen Tourismus-Einnahmen anstiegen. Die Pandemie stoppte diesen positiven Trend radikal. Für 2020 erwartet die UNWTO einen weltweiten Rückgang an Touristenankünften um 58 bis 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die globale Tourismus-Krise spiegelt sich deutlich in den Google-Suchen der Verbraucher wider. Seit der Verschärfung der Pandemie im März suchten Verbraucher in Europa und den USA deutlich weniger häufig nach Themen, die mit Urlaub zusammenhängen. Das ergibt eine Auswertung der Google-Suchen britischer, deutscher, französischer, italienischer, spanischer und amerikanischer Verbraucher mithilfe des spezialisierten Suchvolumenanalyse-Tools Quentin von TD Reply. Das Interesse der Verbraucher an Kurz- und Langstreckenreisen ist deutlich gesunken. Demnach gingen die Suchen nach Langstreckenreisen im Zeitraum April bis Mai 2020 verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um rund 51 Prozent zurück. Bei Kurzstreckenreisen liegt der Wert bei minus 61 Prozent.

Deutsche zeigen starkes Interesse am Urlaub in der Heimat

Beim Interesse für heimischen Tourismus gibt es einen klaren Ausreißer: Deutschland. Während in Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und den USA die Suchen nach Reisezielen im eigenen Land zum Teil stark gesunken sind – in Spanien sind es sogar minus 69 Prozent – interessieren sich die Deutschen im Zuge der Pandemie verstärkt dafür. So stieg der Anteil am Tourismus in der Heimat im gesamtdeutschen Suchvolumen im Zeitraum April bis Mai 2020 verglichen mit dem Vorjahr um 57 Prozent. Im Mai 2020 waren die fünf meisten gesuchten Google-Suchbegriffe im Zusammenhang mit Heimaturlaub in Deutschland: „Ostsee Urlaub”, „Nordsee Urlaub”, „Sylt Urlaub”, „Bodensee Urlaub” sowie „Rügen Urlaub.”

Damit ist in Deutschland das Interesse für heimische Urlaubsziele stärker gestiegen als das Interesse für Kurz- (minus 45 Prozent) und Fernstreckenziele (minus 50 Prozent) abgenommen hat. Deutschland befindet in einer guten Ausgangslage, um den eigenen Tourismussektor trotz Pandemie langfristig zu stärken. Ein Grund hierfür könnte der zum jetzigen Zeitpunkt weniger heftige Verlauf der Pandemie im Vergleich zu den anderen Ländern sein.

Das meistgesuchte Fernstrecken-Reiseziel der Deutschen bleibt die Türkei. Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den Kurzstreckenzielen ab. Die Insel Mallorca belegt bei den Deutschen nach wie vor den ersten Platz.

Frankreich und Spanien müssen um deutsche Touristen kämpfen

Der für Frankreich und Spanien wichtige Tourismussektor dürfte diese Entwicklung mit Sorge betrachten. Frankreich ist mit rund jährlichen 87 Millionen Touristenankünften Europas beliebtestes Reiseziel, Spanien folgt mit rund 82 Millionen. Sowohl in Frankreich als auch in Spanien sind traditionell deutlich mehr internationale Ankünfte durch Touristen als Abfahrten in andere Länder durch eigene Bürger zu verzeichnen.

Deutschland hebt sich davon ab: Der deutsche Tourismussektor ist nicht nur durch das starke Interesse der Deutschen für Urlaub zuhause in einer aktuell besseren Ausgangslage als das französische und spanische Pendant, sondern auch durch den größeren Pool an Reisewilligen, die sich für Ferien im eigenen Land begeistern könnten. Der französische und spanische Tourismus wird härter denn je mit dem innerdeutschen Tourismus um deutsche Reisende konkurrieren.

Zukunftsaussichten für Fluglinien und Hotels

Fluglinien und Gaststätten weltweit gehören zu den größten Verlierern der Pandemie. Experten rechnen damit, dass der Bedarf an Flügen und Übernachtungen mehrere Jahre unter dem Vorkrisenniveau bleibt. Abhängig von der Anpassungsfähigkeit der Flug- und Hotelindustrie könnten sich die Entwicklung einer Impfung sowie einiger technischen Neuheiten günstig auf die bevorstehende Zeit auswirken. Mit dem Vorzeigen international anerkannter „Immunitätspässe” könnten gegen Covid-19 geimpfte Personen beispielsweise verschiedene Länder bereisen, ohne in Quarantäne zu müssen. Für Fluggäste gibt es bereits neue Designs der Flugzeugsitze, die Abstand und Hygiene garantieren. Flughäfen könnten mithilfe spezieller „Touchless-Kioske” über Stimmeingabe einchecken lassen, ohne einen Bildschirm berühren zu müssen. Zudem sind erste Wearables in Entwicklung, die die Symptome frühzeitig erkennen können.

Hotels könnten mithilfe neuer Hygienekonzepte und einer kreativen Umgestaltung von Räumen, die durch schwächere Besucherströme weniger ausgelastet sind, neue Kundschaft adressieren. Darüber hinaus könnten Hotels durch die gestiegene Bedeutung von alternativen Verkehrsmitteln wie Booten, Bussen, Mietautos und Zügen profitieren. Ebenso wie von dem neuen Trend „Slow Travel”: längere Reiseaufenthalte, vermischt mit regulären Arbeits-Perioden, und möglich gemacht durch die vielerorts gelockerten Home-Office-Regelungen.

www.reply.com


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